12 April, 2013

Ohne rosarote Brille - die ersten drei Wochen als Familie

Derzeit mausert sich mein Blog immer mehr zum Mami-Blog. Um mein Glückskind dreht sich eben viel.
Diesen Post habe ich schon vor einer Weile geschrieben und war mir unsicher, ob ich ihn veröffentlichen soll. Nachdem ich bei Julia einen sehr ähnlichen Post las, schöpfte ich Mut.
Warum ich den Post nicht veröffentlichen wollte?
Es war so eine Mischung aus:
- Darf man das so klar und deutlich sagen?
- Wie wirkt das auf meine Leser?
- Soll ich nicht doch etwas beschönigen?

Ich spreche mit befreundeten Müttern sehr ehrlich über die erste Zeit oder auch generell über meine Erlebnisse mit dem Glückskind. Dies auch hier zu tun, liegt nahe, ist aber doch etwas subtiler. Mein Blog heißt "von Glücklichkeiten", weil ich glücklich bin und euch daran teilhaben lassen möchte! Und dies soll auch so bleiben. Und so habe ich mir überlegt, ob ich schwierige Zeiten ausklammern soll. Ich persönlich empfinde viele Blogs so Bilderbuch-artig. Und ich gebe zu, ich lese es so sehr gern. Es scheint als gäbe es nur Glück. Und mit Kind gibt es Glück hoch 3. Mit zwei Kindern Glück hoch 4.
Ja, ich bin unfassbar glücklich über unser Glückskind und ich gebe es für nicht auf dieser Welt wieder her. Aber hier gibt es auch Zeiten, in denen quengelndes Kind und übermüdete Mama aufeinander treffen. Da herrscht nicht immer Glück hoch 3.
Ich möchte ehrlich und lebensnah sein.
Und darum gibt es auch diesen sehr ehrlichen Post. Den ich euch nun nicht länger vorenthalten möchte. Denn nur wenn wir beim Familienstart beginnen, kann ich euch weiter auf die Reise mitnehmen. Da warten nämlich noch Unmengen Glücklichkeiten.

Nun langsam der Reihe nach ...
... hier ist der vor Wochen geschriebene Post (völlig unverändert :-))



Das kleine Wesen hat meinen Kopf ganz schön verdreht. Die ersten Tage nach Geburt dachte ich, ich bin eine Fremde im gleichen Körper. Und doch blitzte nach und nach die "Alte" wieder auf, um dann doch irgendwie verändert zu sein.
Wie soll es auch anders sein, wenn man plötzlich in Dimensionen liebt, die vorher überhaupt nicht greifbar waren? Das Leben war deshalb jedoch nicht gleich rosarot. Es tut weh, dies zu schreiben. Aber was bringt es, wenn wir Mütter nicht ehrlich sind und lieber die farbige Lebensbrille aufsetzen?
Erst dachte ich, es erging nur mir so in den ersten Wochen. Doch je ehrlicher ich darüber spreche, höre ich von anderen Müttern, dass es ihnen ähnlich erging.



3 Wochen - die mich völlig aus der Bahn geworfen haben ...
Ein wunderschönes Bündel Liebe im Arm, dass so hilflos war. Dass auch erst auf dieser Erde ankommen musste. Dass genauso überfordert war wie wir. Dass weinte und weinte - und wir weinten mit.
Warum hat mir nie jemand gesagt, dass Babys so viel weinen? Dass sie entweder schlafen oder weinen?
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich so happy war, weil das Glückskind einfach ein paar Minuten wach war und nicht weinte.
Das Thema Schreien beschäftigte mich sehr und es hat etwas gebraucht bis ich akzeptieren konnte, dass ich keine schlechte Mutter bin, weil ich mein Baby nicht beruhigen konnte.

Meine Gedanken drehten tagelang um die Geburt und die 24 Stunden im Krankenhaus. Ich hatte eine Bilderbuchgeburt und trotzdem waren die Schmerzen die Hölle. Die Zeit im Krankenhaus war für uns beide nicht schön, sehnten wir uns so sehr nach zu Hause. Dort angekommen, waren wir endlich eine kleine Familie und mein Glücksmann mein Held im Wochenbett!
Ich habe lange gebraucht bis ich körperlich fit war. Als ich langsam auf die Beine kam, ging es mir schlagartig schlecht. Ich lag nur im Bett, wusste nicht was los war. Fühlte mich krank, unfähig für mein Glückskind da zu sein. Jedes Mal stillen war eine Qual. Meine Hebamme wies mich freundlich darauf hin, dass ich nun endlich mal das Bett verlassen müsse. Mir war nur zum Heulen zumute, zumal es die letzten Tage zu dritt waren und es für mich unmöglich erschien, mich bald allein um das Glückskind kümmern zu müssen. Als ich die roten Flecken auf meiner Brust entdeckte, war ich endlich erlöst! Keine Wochenbett-Depression, sondern "nur" ein Milchstau.
Als der sich allmählich verabschiedete, ging es steil bergauf.

Ganz allmählich waren alle im neuen Leben angekommen - in einem Leben, dass so viel schönes bereit hält. Es ist nicht unbedingt einfacher, aber es hat an Tiefe gewonnen. Niemals möchte ich die Zeit zurückdrehen, es ist ein Segen - das große kleine Glückskind <3

Kommentare:

  1. Ich hab mich auch oft gefragt: "Warum hat einem das keiner vorher gesagt?". Das Leben nach der Geburt ist keinesfalls immer nur "Glück pur" und trotzdem empfindet es jede Frau anders. Mir ging es nach der ersten Geburt ähnlich wie dir - nur ohne Brustentzündung, dafür mit Schmerzen beim Ansaugen ;-)
    Danke für den tollen Bericht!
    Liebe Grüße! Sonja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für deinen Kommentar, liebe Sonja.
      Es stimmt, jeder empfindet die Zeit anders und das ist auch gut so. Das hängt auch von vielen Faktoren ab: Wie war die Geburt?, Wie schnell bin ich körperlich wieder fit?, Wie viel schreit mein Kind? etc.
      Ich hoffe immer, dass man bei einem weiteren Kind die Anfangszeit wirklich mehr genießen kann. Du wirst es bald wissen und uns vielleicht daran teilhaben lassen. Ich wünsche dir von Herzen, dass es etwas harmonischer ist.
      Alles Liebe
      Britta

      Löschen
  2. Liebe Britta, als ich Dein Post las, konnte ich jede einzelne Zeile nachvollziehen und durchspüren. Vor allem das Gefühl der Machtlosigkeit und Versagensängste, wenn das kleine Bündel vor Schreien rot anläuft und man gar nichts mehr dagegen tun kann, oder, wenn man einfach das Kind schreien lässt und selbst in einer Art "Trance" daneben steht... Leider wird zu wenig darüber gesprochen und immer davon ausgegangen, dass wir "Mütter" das schon schaffen. Und im Nachinein spricht sowieso niemand mehr darüber, wie schwer der Anfang doch war. Gut, dass die "Glücklichkeiten" dann überwiegen und alles (im Nachinein) in rosa Licht erscheint. Danke für dein Mut und Ehrlichkeit. LG, Julia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Julia,

      hab vielen Dank für deinen ehrlichen und offen Kommentar.
      Mir fällt auch auf, wie viel man vergisst. Vermutlich ein Schutzmechanismus, manchmal wäre es aber sinnvoll, sich wieder daran zu erinnern. Zum Beispiel wenn die Freundin ihr erstes Kind erwartet. Der tut es sicher gut, einfach mal zu hören, dass nicht alles so einfach war, es aber besser und schöner wird. :-)

      Viele liebe Grüße
      Britta

      Löschen
  3. LIebe Britta,
    danke für diesen gut geschrieben und ehrlichen Post! Ja, ich hab auch erst überlegt, ob man da so offen drüber schreiben darf in unserer pastelligen Bloggerwelt...aber gut, dass wir es gemacht haben.
    Aber da ging es uns wohl ähnlich - dass Babies so viel schreien war mir auch nicht bewusst gewesen - ich dachte immer, das tun nur "Schreibabies", aber dass ein bis zwei Stunden Geschrei auch bei "Nicht-Schreib-Babies" am Tag normal sind, war mir auch nicht so klar. Aber jetzt haben wir es ja zum Glück hinter uns. ;-)
    Und natürlich darfst du verlinken (auch von deinen Kommentaren bei mir aus), ist doch klar!

    Ganz liebe Grüße und ein herrliches, sonniges Wochenende!

    deine
    Julia
    P.S.: Das Foto von dir und deinem Glückskind ist sehr, sehr süß! Witzigerweise schaut er Paul ein bisschen ähnlich :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hach, Julia. Es tut gut zu lesen, dass es dir so ähnlich ging. Ist es nicht verrückt, wie leicht es fällt "von Glücklichkeiten" zu schreiben und bei der "schwer verdaubaren Kost" zögern wir? Dabei gehört eben beides zum Leben dazu. Nur so lassen sich die Glücklichkeiten wirklich genießen. :-)

      Ich bin auch aus allen Wolken gefallen, als ich im Buch "Babyjahre" las: 1-2 Stunden unspezifisches Schreien ist in den ersten 3 Monaten normal. Das steigert sich sogar noch zur 6 Woche und nimmt bis zur zwölften Woche ab. Und wir sprechen hier nicht von Schreikindern! :-)
      Für mich ist die Zeit schon unvorstellbar geworden. Heute weint das Glückskind beinahe nie und das ist wirklich Glück pur!

      Ehrlich? Jetzt würde ich Paul soooo gern mal sehen. :-)

      Euch auch ein herrliches Wetter, wir werden jetzt den Garten unsicher machen :-)

      Liebe Grüße
      Britta

      Löschen